Burkina-Aktiv e.V. - Hilfe zur Selbsthilfe
Burkina-Aktiv e.V. - Hilfe zur Selbsthilfe 

Die Problematik der Wasserversorgung

I. Einleitung:

Burkina Faso gehört nicht nur zu den ärmsten Ländern der Welt, sondern ist als im Sub-Sahara – Afrika und dadurch im so genannten Sahelgürtel gelegenes Land besonders hart vom weltweiten Klimawandel betroffen.

Der UN-Weltklimarat schätzt, dass die Erderwärmung allein auf dem afrikanischen Kontinent dazu führt, dass in naher Zukunft über 250 Millionen Menschen an Wassermangel leiden. Dies bedeutet, dass diejenigen, die bereits ohnehin am härtesten durch die seit langem bestehende latente Klimaveränderung in der nächsten Zeit noch mehr um ihr Überleben kämpfen müssen. Neben dem Klimawandel gibt es jedoch noch weitere Ursachen für die bestehende Wasserknappheit.

II. Bestandsaufnahme: 

1. Wo gibt es Wasser in Burkina Faso?

Die Wasserläufe, die das Land durchqueren, kann man drei Becken zuordnen: Da ist zum einen das Voltabecken, das ca. 120.000 km² umfasst und sich aus dem Mouhoum (schwarzer Volta), dem Nakambé (weißer Volta) und dem Pendjari zusammensetzt, wobei der Hauptfluss (Mouhoum) im Norden Ghanas das Wasser der Nebenflüsse und des Nazinon (roter Volta) aufnimmt. Das Comoé-Becken umfasst ca 18.000 km².  Zu dem dritten Becken, einer Art Entwässerungssystem des Nigerbeckens, das ca.  72.000 km² umfasst, gehören auch die kleineren Flüsse und Seen und abflusslosen Tümpel im Norden, die allerdings nur zeitweise, also saisonabhängig Wasser führen. Und trotz ihrer Saisonabhängigkeit (sie führen nur in der Regenzeit von Mai bis Oktober Wasser), stellen gerade sie, die wichtigsten Wasserreservoirs für die Menschen, die Tiere und die Agrarwirtschaft dar. Zu einer besseren Nutzung werden die Flüsse zu Seen gestaut, die auch als Kraftwerke genutzt werden. Momentan gibt es vier Stauseen (im Süden, im Südosten, im Nordwesten und im Westen).

2. Ursachen des permanenten Wassermangels:

a) geographische Faktoren;

Wie in allen Ländern der Sahel-Zone herrscht auch in Burkina Faso regional bedingt objektiver Wassermangel, weil einerseits Oberflächengewässer (Flüsse, Seen) fehlen und das Grundwasser zunehmend schwer zu erschließen ist, da es immer mehr in die Tiefe absinkt. All dies trifft auch für die Landesteile zu, in denen es im Jahresdurchschnitt ausreichend regnet. Zu dem zu verzeichnendem Rückgang der Niederschläge kommt hinzu, dass die Resourcen, v.a. während der Trockenzeiten auch mit altbewährten traditionellen Mitteln nicht mehr ausgeschöpft werden können. Ein weiteres Problem liegt in der relativ dünnen Besiedlung vieler Regionen außerhalb der Städte. In Siedlungen mit mind. 200 Einwohnern wird teilweise der für dortige Verhältnisse große finanzielle Aufwand der Installation und Wartung eines Brunnens mit einer Handpumpe gewährleistet. Doch wie sollen die kleineren

Siedlungen oder die teilweise sehr weit voneinander liegende Einzelhöfe versorgt werden? 

b) Die finanzielle Situation der Bevölkerung:

Das Einkommen ist in Afrika, also auch in Burkina Faso sehr niedrig (teilweise pro Kopf und Jahr = xxx €). Dies hat zur Folge, dass selbst dort, wo die Wasserressourcen annähernd ausreichend sind, sich die Bevölkerung weder die Einrichtung, noch die Instandhaltung eines Brunnens leisten kann. Das bedeutet auch, dass selbst wenn der Staat oder internationale Hilfsorganisationen die Mittel für die Bohrung eines Brunnens mit Handpumpe finanzieren, die langfristigen Wartungskosten nicht von der Dorfbevölkerung aufgebracht werden können. Dies ist ein Grund für das Scheitern zahlreicher Vorhaben. Und die Armut wird auch weiterhin das Hauptproblem der Trinkwasserpolitik darstellen. Von 1990 bis 2001 hat sich die Zahl der Afrikaner, die weniger als 1 Dollar/Tag zum (Über)-Leben haben nicht reduziert, sondern ist in einigen Ländern noch gestiegen. Folglich ist die Erwartung sehr wenig realistisch, dass auf Grund der steigenden absoluten Armut der Bevölkerung deren Eigenleistung zur Trinkwasserversorgung erhofft werden kann. Insgesamt ist also ein sehr großes Versorgungsgefälle zwischen den finanziell und infrastrukturell privilegierten Städten und der von absoluter Armut und den damit verbundenen Nachteilen betroffenen Landbevölkerung, festzustellen. Ein weiteres nicht zu unterschätzendes Problem stellt die stark ansteigende Wasserverschmutzung dar, wenn das Grundwasser kontaminiert und die Flüsse durch die direkte Einleitung der Abwässer aus Mangel an Kläranlagen, verunreinigt werden.

c) Die konkrete Situation in Goumsin:

Das Dorf Goumsin, in der Provinz Kayao gelegen zählt 2247 Einwohner. Die Wasserversorgung wurde allein durch einen im Dorf befindlichen und nur mit einem Seil und Eimer betriebenen Brunnen gewährleistet. Das in Dorfnähe befindliche Oberflächengewässer  ist saisonabhängig, also außerhalb der Regenzeit trocken, so dass oben genannter Brunnen die einzige‚ verlässliche’ Wasserquelle darstellte, die einerseits nicht den von der WHO geforderten Qualitätsansprüchen entsprach, andererseits für die Nutzung von Trink- und Brauchwasser zum einen, für die Versorgung der Tiere zum anderen und zur Bewässerung der landwirtschaftlichen Nutzflächen bei Weitem nicht ausreichte.

 

 

Dorfsbrunnen-Trockenzeit
Dorfbrunnen-Regenzeit

 

III. Ziele: 2015

 

Das vorrangige, erste Ziel besteht also darin eine Handpumpe an dem bereits vorhandenen Brunnen zu installieren und deren Wartung zu garantieren.  Da aber für eine ausreichende mittelfristige Wasserversorgung dieser eine Brunnen nicht ausreichen wird, besteht das nächste Ziel in der Errichtung eines weiteren handpumpenbetriebenen Brunnens, um auch nach weiterem Absinken des Grundwasserspiegels die Wasserversorgung des Dorfes sicher zu stellen.  Wasser wird in unserer, durch den Klimawandel bestimmten Zeit immer wertvoller und daher muss sparsam mit diesem für das menschliche Leben wichtigsten Grundelement umgegangen werden. In Afrika gilt diese Regel und deren Befolgung bereits seit jeher und daher ist die Bevölkerung viel sensibler, einsichtiger und vor allem umsichtiger im Umgang mit Wasser und wir in den Industrieländern könnten viel von ihnen lernen. 

So kann eine weitere einfache, praktische und wirkungsvolle Maßnahme darin bestehen, die Felder mit Steinwällen zu umbauen, die das Wasser zurückhalten, damit das Wasser an Ort und Stelle in den Boden sickert und gleichzeitig garantiert wird, dass fruchtbarer Boden auf dem Feld verbleibt und nicht mit dem Regen sofort weggeschwemmt wird.  Diese Maßnahme ist sehr lohnend, da auf diese Art die Ernte um 70% gesteigert, die Landbevölkerung von den landwirtschaftlichen Erträgen leben und eine Abwanderung der Männer in die Städte und so die Verwaisung der Dörfer verhindert werden kann.

Es müssen Brunnen gebohrt werden, um die Versorgung der Landbevölkerung mit sauberem Trinkwasser zu garantieren und um durch die Bewässerung der Felder ihre Existenzgrundlage zu sichern. Denn nur durch die Erhaltung oder vielmehr die Verbesserung ihrer Lebensgrundlage können sie, wenn auch mehr schlecht als recht mit den Folgen des Klimawandels -  den sie im Übrigen nicht zu verantworten haben - umgehen lernen.

Es ist eine traurige Tatsache, dass gerade die Landbevölkerung in Afrika (ohne Strom und Motorisierung), zwar (fast) kein CO2 produziert, doch am meisten unter den Umweltsünden der reichen Industrieländer und deren überhöhter CO2-Emissionen zu leiden haben.

Handwasserpumpe mit Wasserturm
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